Die Cao Dai Religion ist erst 1926 gegründet worden und eine Vermischung verschiedenster Weltreligionen zu einem bunten Potpourri aus Christentum, Taoismus, Konfuzianismus und Buddhismus. In Vietnam liegt sie mit 2-3 Millionen Anhängern nach Buddhismus und Katholizismus auf Platz 3. Das bunte Miteinander spiegelt sich in den Gewändern der Gläubigen während der Messe wider: weiße Gewänder sind für die Laien, Blau für die Taoisten, Gelb für die Buddhisten und Rot für die Christen.
Als Tourist darf man das imposante Gebäude nur auf den Balkonen links und rechts betreten, während die Gläubigen unten ihre Messe abhalten, die in der 12Uhr-Ausgabe aus einer dreiviertel Stunde Musik mit gelegentlichem Verbeugen besteht. Die Glaubensgemeinschaft ist hierarchisch aufgebaut, so dass man, je länger man dabei ist und je verdienter man sich gemacht hat, umso weiter vorne sitzen darf. Die Streber sitzen halt überall in der ersten Reihe. Das Kirchenschiff ist dafür in 9 große Stufen unterteilt, die nebenbei auch noch die Stufen in den Himmel symbolisieren. Ganz vorne sitzt dann quasi der Papst, die Stelle ist aber seit 1934 vakant. Die Anhänger leben eher asketisch, sind z.B. allesamt Vegetarier. Ein Bestandteil der Religion ist die Kommuniktion mit den Toten. Das passiert jeden Tag, ohne Witz, zur Geisterstunde. Wichtige Ansprechpartner sind dabei z.B. Victor Hugo, Sun Yat Sen (chinesischer Revolutionsführer) und Trang Trinh (vietnamesischer Professor und Dichter).
Die Weiterfahrt zu den Tunneln war anschließend geprägt von einem schlechten Mittagessen in einer laut Guide "typisch" vietnamesischen Gaststätte. Aber so dreckig, geschmacklos und unverschämt sind die Vietnamesen ansonsten eigentlich gar nicht. Der Guide seines Zeichens war ein omnipotentes Wesen. Halb Vietnamese, halb Philipino hat der Mann alles gemacht und gesehen. Bücher geschrieben. In Filmen mitgespielt. In den USA gelebt (nach drei Jahren ist sein Englisch trotzdem eine absolute Zumutung). Im Vietnamkrieg gekämpft. Versteht 6 Sprachen und spricht mindestens 3. War Reisbauer. Und Kellner. Hochrangiger Offizier der US Navy sowieso. War 6 Jahre im Gulag der Vietcongs. Seit 20-30 Jahren ist er Touristenführer, da schwankten seine Ausführungen. Sicher überliefert ist aber, dass er seit mindestens der gleichen Zeit andere Guides staatlich ausbildet. Vor allem aber war er ein kleiner verbitterter Mann, der nur darauf wartet, dass man ihn darum bittet, einem in 5 Minuten den Vietnamkrieg zu erklären (was dann leider gefühlt zwei Stunden ging). Oder die großen Weltreligionen. Die globalen politischen Zusammenhänge hatte er auch alle drauf. War ganz okay, gerade seine pseudo-Erfahrungsberichte bei den Tunneln, soweit man denn verstanden hat, was er mit seinen kryptischen Wortaneinanderreihungen sagen wollte, waren unterhaltsam. Aber wirkliche Fakten musste man dem Reiseführer entnehmen.
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| unser Guide... |
Die bekriechbaren Tunnel der Anlage sind Teil eines Netzes von über 225km Länge. Der Boden besteht zu 90% aus Lehm und 10% Sand, deshalb konnte man da so gut buddeln.
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| Eingang zu den Tunneln |
Auf dem "Museumsgelände" wurden außerdem diverse fiese Fallen für die Amerikaner und ein alter Abraham-Panzer ausgestellt.
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| Hundefalle |
Die ganze Anlage gehört der vietnamesischen NVA. Die bieten auch an, mit alten amerikanischen und russischen Maschinengewehren auf einen Sandhügel zu ballern. Pro Schuss kostet das etwas mehr als einen Euro. Bei Feuerraten von über 10 Patronen pro Sekunde bringt das schnell mal harte Devisen in die sozialistische Kasse. Der zugängliche Tunnelabschnitt selber war 120m lang und für korpulente imperialistische Touristen auf immerhin einen Meter verbreitert worden und zudem üppige 1,2m hoch.
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| alles ein bisschen eng... |









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