Hier nun der Bericht von der 2. Etappe unserer Reise durchs sogenannte goldene Dreieck im Norden von Indien - Agra.
1.
Tag
Das
erste Mal Zug fahren in Indien. Dementsprechend aufgeregt waren wir
(zumindest die Maedels ;)). 9.10 Uhr sollte es dann von Jaipur nach
Agra gehen (nachdem wir erst 8.20 Uhr dachten, dann zum Glueck doch
noch festgestellt haben, dass wir etwas laenger schlafen konnten).
Generell
wird ja empfohlen ca. 1 Stunde eher dazu sein. Wenn die Inder schon
keine Verkehrsregeln kennen, warum sollen sie sich dann an Fahrplaene
halten...
Am
Bahnhof waren wir natuerlich mal wieder die Hauptattraktion
schlechthin und langsam faengts auch an zu nerven... Aber wenigstens
war der Zug puenktlich.
Wenn
der Inder mal verreist, dann aber ordentlich. Man hatte das Gefuehl,
dass sie ihren gesamten Hausrat mit hatten und uns war bis zum
Schluss nicht wirklich klar, wo das alles hin soll. Als der Zug dann
in den Bahnhof einfuhr, war das Gedraengel natuerlich gross. Wir
mussten sehr kaempfen und uns zwischen riesen Gepaeckstuecken
hindurch quetschen, um ueberhaupt in den Zug zu kommen. Die Plaetze
haben wir dann schnell gefunden, waehrend die Inder immer noch ihr
Gepaeck verstaut haben - keine Ahnung, wo sie alles untergebracht
haben, denn der Zug war letztendlich gar nicht mal so voll. Die
Zugfahrt war dann eigentlich gang angenehm, abgesehen von den Tee-,
Wasser- und Essensverkaeufern, die alle paar Minuten durch den Gang
gelaufen sind. Waehrend der Fahrt konnten wir dann den Klaengen
indischer Musik lauschen, es waren aber auch zu unserer Verwunderung
Justin Bieber und Blue vertreten...
Puenktlich
sind wir dann in Agra angekommen, wo wir dann von einem Fahrer vom
Hotel abgeholt wurden. Und da fing der Spass dann auch schon an.
Eigentlich dachten wir ja, dass das Hotel relativ zentral liegt. Dem
war natuerlich nicht so. Wir sind letztendlich in einer Wohngegend
abseits des Zentrums gelandet, wo dann auch schon eine Schar
indischer Maenner auf uns gewartet hat. Das Hotel an sich machte im
ersten Moment eigentlich keinen schlechten Eindruck. Nur dass man auf
Schritt und Tritt von diesem indischen Clan verfolgt wurde... Der
Besitzer war eine kleine Labertasche, der auch direkt anfing zu
prahlen, wie toll doch sein Hotel ist und wieviele internationale
Gaeste er doch immer hat. Die Zimmer an sich lagen im Erdgeschoss und
wirkten soweit recht sauber. Es fehlte nur das Tageslicht und vom
Badezimmer her kam ein leicht muffiger Geruch. Nachdem der Besitzer
uns noch mit Sandwiches versorgt hatte (natuerlich hat nicht er die
Toasts zubereitet, sondern sein Gefolge) hat er uns auch direkt einen
Riksha-Fahrer (also genau genommen sind das immer Auto-Rikshas bzw.
Tuktuks) vermittelt - war ja klar, dass die alle unter einer Decke
stecken. Der Rikshafahrer war dann aber wirklich sehr nett und
bemueht und stand uns dann fuer 2 Tage zur Verfuegung (was bei einem
selber aber irgendwie auch ein schlechtes Gewissen hervorruft, wenn
man quasi einen "persoenlichen Angestellten" hat -
zumindest erging es mir so...).
| Kon durfte sogar vorne mitfahren... Sollte dann zwischendurch auch mal lenken... |
Allerdings merkte man dann auch
schnell, wie gehoerig er doch dem Hotelbesitzer ist bzw. was fuer ein
raffgieriges und besitzergreifendes Arschloch der Hotelbesizer ist.
Fuer alle Angelegenheiten hatte er jemanden an der Hand. Mir war er
von Anfang an schon sehr unsympatisch, was aber anfangs vor allem an
seiner penetranten und aufdringlichen Art lag.
Auf
jedenfall ging es dann erstmal zum Baby Taj (Itimad-Ud-Daulah) - ein
Anlage mit einem Grabmal aus dem 17. Jahrhundert. Das Besondere waren
die sehr grazil gearbeiteten Steingitterfenster (jali) des
vollstaendig aus Marmor bestehenden Mogul-Bauwerkes.
Im
Anschluss ging es zum Mehtab Bagh. Dies ist ein kleiner neu
angelegter Garten am Ostufer des Yamuna (eigentlich entstand er schon
lange vor dem Taj Mahal, verwahrloste dann allerdings). Das ganze war
natuerlich absolute Touristenabzocke. Der Garten war total
uninteressant, einzig allein der Blick aufs Taj Mahal war schoen. Den
haette man aber auch fuenf Meter weiter auf der anderen Seite des
Zauns gehabt, wenn man die Strasse langgelaufen waere - aber das
wussten wir ja zu dem Zeitpunkt noch nicht.
Weil
es dann schon spaet war und wir alle Hunger hatten ging es dann nach
Sadar Bazaar, einem Stadtteil von Agra (natuerlich wollte der
Rikshafahrer uns sofort zurueck zum Hotel fahren, damit wir dort
essen sollten). Ausgesucht hatten wir uns dann das Lakshmi Vilas, ein
schlichtes Restaurant, wo es guenstige suedindische Kueche gab bzw.
sehr leckere Mango-Lassis (wobei bisher noch niemand den Lassi aus
Jaipur toppen konnte). Gegessen haben wir verschiedene Dosas (mit
Paneer und Masala) und Reispancakes (Uttapam).
War
alles wieder sehr lecker.
Danach
gings zurueck zum Hotel. Abends erhielt dann erst Viki, spaeter auch
wir, Besuch vom Nagervolk. Eifrig kratzten sie sich ihre Hoehlen
unter unseren Badewannen frei, was nicht nur eklig, sondern auch
unglaublich laut und nervig war. Staendig hatten wir dann Angst, dass
die Viecher irgendwann mal rauskommen. Fuer das Hotelpersonal war das
natuerlich alles kein Problem... Ein bisschen Anti-Ratten-Spray hier
und da und dann haetten wir die ganze Nacht Ruhe. War dann natuerlich
nicht so... Zur Ablenkung haben wir dann schreckliche Bollywoodfilme
angeschaut (u.a. spielten auch Aliens mit).
Noch
am gleichen Abend haben wir dann beschlossen das Hotel zu wechseln.
Zum Glueck hatten wir auch sofort zwei Zimmer in einem bei
Backpackern beliebten Guesthouse bekommen (die dann auch nur die
Haelfte gekostet haben).
2.
Tag
Am
naechsten Morgen ging es dann erstmal frueh um sechs puenktlich zum
Sonnenaufgang zum Taj Mahal. Es war noch total kalt, was das fruehe
aufstehen nicht leichter gemacht hatte.
| erste Menschenmassen |
Das riesen Grabmal war
natuerlich unglaublich beeindruckend. Der Mogulherrscher Shah Jahan
erbaute es fuer seine verstorbene 2. Frau Mumtaz Mahal. Man
benoetigte mehr als 20 Jahre um es fertig zu stellen, wobei das
Hauptgebaeude schon nach 8 Jahren fertig gewesen sein soll. Der
Hintergrund des "Tempels der Liebe" ist eigentlich gar
nicht so romantisch, wie wir spaeter beim shawl-shopping erfahren
haben: Mumtaz Mahal soll wohl schon die 4. Frau von Shah Jahan
gewesen sein, ihr eigentlich Versprochener wurde von Shah ermordet
und nach ihrem Tod hat er doch direkt ihre Schwester geheiratet.
Danach ging es zurueck zum Hotel, wo wir nur schnell fruehstuecken wollten (weil ist ja im Preis drinne gewesen) um dann auch gleich auszuchecken. Ging natuerlich alles nicht so einfach und wir mussten sehr lange mit denen rumdiskutieren, weil wir es auch nicht eingesehen haben den vollen Preis zu bezahlen.
Das
Tourist Rest House war nun auch kein Fuenf-Sterne-Hotel, aber
tausendmal besser als das alte Rattenloch. Die Zimmer waren dann auch eher klein und dunkel mit einer lustigen Möbelzusammenstellung.
Da
wir unseren Riksha-Fahrer behalten durften sind wir dann direkt zum
Akbar-Mausoleum in Sikantra etwas ausserhalb der Stadt gefahren. Wir
waren sehr ueberrascht wie gross und schoen es doch war und v.a. war
es nicht so ueberlaufen von Touristen, wie das Taj Mahal.
| Eingangstor |
| Mausoleum |
Im Anschluss gjng es zum Agra Fort. Es ist zwar riesengross und man hat auch nochmal einen Blick auf das Taj Mahal, aber letztendlich hab ich mir ein bisschen mehr erhofft, v.a. weil es als eines der schoensten Mogul-Festungen angepriesen wird. Wer weiss, wie zerfallen dann die anderen sind.
| putzige Squirrels |
| Blick aufs Taj Mahal |
| Größenunterschied |
Das
Fort besteht aus rotem Sandstein, wobei nachtraegliche Anbauten auch
aus weissem Marmor sind. Shah Jahan, der Erbauer des Taj Mahal, wurde
nach seinem Sturz durch den eigenen Sohn hier gefangen gehalten.
Urspruenglich diente es aber militaerischen Zwecken.
Weil
wir dann mit den Sehenswuerdigkeiten durch waren sind wir zurueck zum
Hotel. Nach einem kurzen Abstecher zum Cafe Coffee Day (das indische
Pendant zum Starbucks), wo wir erstmal fett Schokokuchen geschlemmt
haben (nach grad mal einer Woche Indien hat mal schon absoluten
Heisshunger nach deutscher Schokolade :/), waren wir noch Shawls (die
schoenen indischen Schale und Tuecher) kaufen.
| hat der doch den Indern das Essen geklaut... |
| und der einem russischen Pärchen das Wasser... |
Nachdem
wir uns bestimmt drei oder viermal verlaufen haben haben wir dann
auch endlich das suedindische Restaurant Dasaprakash gefunden. Wir
haben alle ein Menue besteht aus Thalis- und Reisgerichten.
3.
Tag
Der
letzte Tag in Agra fing dann weniger gut an. Viki hats als erste mit
Durchfall erwischt. :( Da es ihr aber frueh einigermassen gut ging
sind wir zu dritt nach Fatehpur Sikri aufgebrochen. Die
"Geisterstadt" liegt ca. 44km ausserhalb von Agra und war
unter Kaiser Akbar fuer kurze Zeit (1571-1585) die Hauptstadt des
Mogulreiches. Da es aber in der Naehe kaum Wasser gab wurde die
Festung nach Akbars Tod bald aufgegeben.
Die Festung besteht aus einer riesen Moschee die auch heute noch oeffentlich zugaengig ist und 3 Hauptpalaesten - jeweils einen fuer seine drei Lieblingsfrauen (sehr multikulti: eine war Hindu, eine war Muslimin und eine war Christin). Am schlimmsten waren hier eigentlich die bettelnden Kinder. Entweder sie wollten dir irgendein Souvenir-Mist andrehen oder deine Eintrittskarte abkaufen, um sie spaeter wahrscheinlich wieder weiterzuverkaufen. Wenn wir was zu essen dabei hatten wollten sie es uns regelrecht aus der Hand reissen.
Die Festung besteht aus einer riesen Moschee die auch heute noch oeffentlich zugaengig ist und 3 Hauptpalaesten - jeweils einen fuer seine drei Lieblingsfrauen (sehr multikulti: eine war Hindu, eine war Muslimin und eine war Christin). Am schlimmsten waren hier eigentlich die bettelnden Kinder. Entweder sie wollten dir irgendein Souvenir-Mist andrehen oder deine Eintrittskarte abkaufen, um sie spaeter wahrscheinlich wieder weiterzuverkaufen. Wenn wir was zu essen dabei hatten wollten sie es uns regelrecht aus der Hand reissen.
Die Moschee war
riesengross, bestehend aus einem grossen Innenhof, Grabraeumen und
dem Grabmal von Shaih Salim Chishti (ein Sufi-Heiliger, der Kaiser
Akbar die Geburt eines Thronfolgers vorhergesehen hat). Vom Grabmahl
war ich sehr enttaeuscht, da es gar nicht mehr um das
religioese/heilige ging, sondern nur noch um Profit. (Kinderlose)
Frauen konnten sich kleine Baendchen kaufen (bzw. wurden regelrecht
dazu bedraengelt), die man dann an den Marmorgitterfenstern um das
Grabmahl befestigen konnte.
Die restliche
Palastanlage aus rotem Sandstein war dann nicht mehr oeffentlich,
sodass wir dann weitgehend Ruhe vor den Bettlerkindern und den
Foto-machen-wollenden-Indern hatten.
Im Hotel wieder
angekommen haben wir lecker Papaya und Granataepfel vom Markt
gegessen, dazu leckeren Chai-Tee geschluerft.
| um ins Grabmahl zu kommen mussten wir unsere Köpfe bedecken (u.a. mit kleinen Plastik-Wäscheklammer-Körben) |
| Waschplatz vor dem Grabmahl im Innenhof der Moschee |
| das können die Inder am besten... |
| die fliegen hier überall rum :) |
Viki gings dann
leider wieder schlechter, sodass wir den Abend ruhig ausklingen
lassen haben.
Gegessen haben wir
dann Abends im Hotel, was dann nicht so besonders war, weil alles
gleich geschmeckt hat...
Liebe Stephie, ein ganz toller Blog mit schönen Bildern - ich sende Dir ein dickes Kompliment! Ich habe mich gerade mal auf den aktuellen Stand gebracht... Ich wünsche Euch noch ganz viel Spaß und schöne Erfahrungen in Indien - auf ein baldiges Wiedersehen im frühlingshaften DD... LG natürlich auch an meine Viki, Jette
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