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27. Februar 2012

AGRA (15.02. bis 18.02.2012)

Hier nun der Bericht von der 2. Etappe unserer Reise durchs sogenannte goldene Dreieck im Norden von Indien - Agra.
1. Tag
Das erste Mal Zug fahren in Indien. Dementsprechend aufgeregt waren wir (zumindest die Maedels ;)). 9.10 Uhr sollte es dann von Jaipur nach Agra gehen (nachdem wir erst 8.20 Uhr dachten, dann zum Glueck doch noch festgestellt haben, dass wir etwas laenger schlafen konnten).
Generell wird ja empfohlen ca. 1 Stunde eher dazu sein. Wenn die Inder schon keine Verkehrsregeln kennen, warum sollen sie sich dann an Fahrplaene halten...
Am Bahnhof waren wir natuerlich mal wieder die Hauptattraktion schlechthin und langsam faengts auch an zu nerven... Aber wenigstens war der Zug puenktlich.
Wenn der Inder mal verreist, dann aber ordentlich. Man hatte das Gefuehl, dass sie ihren gesamten Hausrat mit hatten und uns war bis zum Schluss nicht wirklich klar, wo das alles hin soll. Als der Zug dann in den Bahnhof einfuhr, war das Gedraengel natuerlich gross. Wir mussten sehr kaempfen und uns zwischen riesen Gepaeckstuecken hindurch quetschen, um ueberhaupt in den Zug zu kommen. Die Plaetze haben wir dann schnell gefunden, waehrend die Inder immer noch ihr Gepaeck verstaut haben - keine Ahnung, wo sie alles untergebracht haben, denn der Zug war letztendlich gar nicht mal so voll. Die Zugfahrt war dann eigentlich gang angenehm, abgesehen von den Tee-, Wasser- und Essensverkaeufern, die alle paar Minuten durch den Gang gelaufen sind. Waehrend der Fahrt konnten wir dann den Klaengen indischer Musik lauschen, es waren aber auch zu unserer Verwunderung Justin Bieber und Blue vertreten...




Puenktlich sind wir dann in Agra angekommen, wo wir dann von einem Fahrer vom Hotel abgeholt wurden. Und da fing der Spass dann auch schon an. Eigentlich dachten wir ja, dass das Hotel relativ zentral liegt. Dem war natuerlich nicht so. Wir sind letztendlich in einer Wohngegend abseits des Zentrums gelandet, wo dann auch schon eine Schar indischer Maenner auf uns gewartet hat. Das Hotel an sich machte im ersten Moment eigentlich keinen schlechten Eindruck. Nur dass man auf Schritt und Tritt von diesem indischen Clan verfolgt wurde... Der Besitzer war eine kleine Labertasche, der auch direkt anfing zu prahlen, wie toll doch sein Hotel ist und wieviele internationale Gaeste er doch immer hat. Die Zimmer an sich lagen im Erdgeschoss und wirkten soweit recht sauber. Es fehlte nur das Tageslicht und vom Badezimmer her kam ein leicht muffiger Geruch. Nachdem der Besitzer uns noch mit Sandwiches versorgt hatte (natuerlich hat nicht er die Toasts zubereitet, sondern sein Gefolge) hat er uns auch direkt einen Riksha-Fahrer (also genau genommen sind das immer Auto-Rikshas bzw. Tuktuks) vermittelt - war ja klar, dass die alle unter einer Decke stecken. Der Rikshafahrer war dann aber wirklich sehr nett und bemueht und stand uns dann fuer 2 Tage zur Verfuegung (was bei einem selber aber irgendwie auch ein schlechtes Gewissen hervorruft, wenn man quasi einen "persoenlichen Angestellten" hat - zumindest erging es mir so...).

Kon durfte sogar vorne mitfahren... Sollte dann zwischendurch auch mal lenken...
Allerdings merkte man dann auch schnell, wie gehoerig er doch dem Hotelbesitzer ist bzw. was fuer ein raffgieriges und besitzergreifendes Arschloch der Hotelbesizer ist. Fuer alle Angelegenheiten hatte er jemanden an der Hand. Mir war er von Anfang an schon sehr unsympatisch, was aber anfangs vor allem an seiner penetranten und aufdringlichen Art lag.
Auf jedenfall ging es dann erstmal zum Baby Taj (Itimad-Ud-Daulah) - ein Anlage mit einem Grabmal aus dem 17. Jahrhundert. Das Besondere waren die sehr grazil gearbeiteten Steingitterfenster (jali) des vollstaendig aus Marmor bestehenden Mogul-Bauwerkes.





Im Anschluss ging es zum Mehtab Bagh. Dies ist ein kleiner neu angelegter Garten am Ostufer des Yamuna (eigentlich entstand er schon lange vor dem Taj Mahal, verwahrloste dann allerdings). Das ganze war natuerlich absolute Touristenabzocke. Der Garten war total uninteressant, einzig allein der Blick aufs Taj Mahal war schoen. Den haette man aber auch fuenf Meter weiter auf der anderen Seite des Zauns gehabt, wenn man die Strasse langgelaufen waere - aber das wussten wir ja zu dem Zeitpunkt noch nicht.


Weil es dann schon spaet war und wir alle Hunger hatten ging es dann nach Sadar Bazaar, einem Stadtteil von Agra (natuerlich wollte der Rikshafahrer uns sofort zurueck zum Hotel fahren, damit wir dort essen sollten). Ausgesucht hatten wir uns dann das Lakshmi Vilas, ein schlichtes Restaurant, wo es guenstige suedindische Kueche gab bzw. sehr leckere Mango-Lassis (wobei bisher noch niemand den Lassi aus Jaipur toppen konnte). Gegessen haben wir verschiedene Dosas (mit Paneer und Masala) und Reispancakes (Uttapam). War alles wieder sehr lecker.
Danach gings zurueck zum Hotel. Abends erhielt dann erst Viki, spaeter auch wir, Besuch vom Nagervolk. Eifrig kratzten sie sich ihre Hoehlen unter unseren Badewannen frei, was nicht nur eklig, sondern auch unglaublich laut und nervig war. Staendig hatten wir dann Angst, dass die Viecher irgendwann mal rauskommen. Fuer das Hotelpersonal war das natuerlich alles kein Problem... Ein bisschen Anti-Ratten-Spray hier und da und dann haetten wir die ganze Nacht Ruhe. War dann natuerlich nicht so... Zur Ablenkung haben wir dann schreckliche Bollywoodfilme angeschaut (u.a. spielten auch Aliens mit).
Noch am gleichen Abend haben wir dann beschlossen das Hotel zu wechseln. Zum Glueck hatten wir auch sofort zwei Zimmer in einem bei Backpackern beliebten Guesthouse bekommen (die dann auch nur die Haelfte gekostet haben).

2. Tag

Am naechsten Morgen ging es dann erstmal frueh um sechs puenktlich zum Sonnenaufgang zum Taj Mahal. Es war noch total kalt, was das fruehe aufstehen nicht leichter gemacht hatte.


erste Menschenmassen
Das riesen Grabmal war natuerlich unglaublich beeindruckend. Der Mogulherrscher Shah Jahan erbaute es fuer seine verstorbene 2. Frau Mumtaz Mahal. Man benoetigte mehr als 20 Jahre um es fertig zu stellen, wobei das Hauptgebaeude schon nach 8 Jahren fertig gewesen sein soll. Der Hintergrund des "Tempels der Liebe" ist eigentlich gar nicht so romantisch, wie wir spaeter beim shawl-shopping erfahren haben: Mumtaz Mahal soll wohl schon die 4. Frau von Shah Jahan gewesen sein, ihr eigentlich Versprochener wurde von Shah ermordet und nach ihrem Tod hat er doch direkt ihre Schwester geheiratet.






Danach ging es zurueck zum Hotel, wo wir nur schnell fruehstuecken wollten (weil ist ja im Preis drinne gewesen) um dann auch gleich auszuchecken. Ging natuerlich alles nicht so einfach und wir mussten sehr lange mit denen rumdiskutieren, weil wir es auch nicht eingesehen haben den vollen Preis zu bezahlen.
Das Tourist Rest House war nun auch kein Fuenf-Sterne-Hotel, aber tausendmal besser als das alte Rattenloch. Die Zimmer waren dann auch eher klein und dunkel mit einer lustigen Möbelzusammenstellung.
Da wir unseren Riksha-Fahrer behalten durften sind wir dann direkt zum Akbar-Mausoleum in Sikantra etwas ausserhalb der Stadt gefahren. Wir waren sehr ueberrascht wie gross und schoen es doch war und v.a. war es nicht so ueberlaufen von Touristen, wie das Taj Mahal.
 
Eingangstor
Mausoleum




Im Anschluss gjng es zum Agra Fort. Es ist zwar riesengross und man hat auch nochmal einen Blick auf das Taj Mahal, aber letztendlich hab ich mir ein bisschen mehr erhofft, v.a. weil es als eines der schoensten Mogul-Festungen angepriesen wird. Wer weiss, wie zerfallen dann die anderen sind.


putzige Squirrels



Blick aufs Taj Mahal

Größenunterschied
Das Fort besteht aus rotem Sandstein, wobei nachtraegliche Anbauten auch aus weissem Marmor sind. Shah Jahan, der Erbauer des Taj Mahal, wurde nach seinem Sturz durch den eigenen Sohn hier gefangen gehalten. Urspruenglich diente es aber militaerischen Zwecken.


hat der doch den Indern das Essen geklaut...
und der einem russischen Pärchen das Wasser...
Weil wir dann mit den Sehenswuerdigkeiten durch waren sind wir zurueck zum Hotel. Nach einem kurzen Abstecher zum Cafe Coffee Day (das indische Pendant zum Starbucks), wo wir erstmal fett Schokokuchen geschlemmt haben (nach grad mal einer Woche Indien hat mal schon absoluten Heisshunger nach deutscher Schokolade :/), waren wir noch Shawls (die schoenen indischen Schale und Tuecher) kaufen.
Nachdem wir uns bestimmt drei oder viermal verlaufen haben haben wir dann auch endlich das suedindische Restaurant Dasaprakash gefunden. Wir haben alle ein Menue besteht aus Thalis- und Reisgerichten.

3. Tag
Der letzte Tag in Agra fing dann weniger gut an. Viki hats als erste mit Durchfall erwischt. :( Da es ihr aber frueh einigermassen gut ging sind wir zu dritt nach Fatehpur Sikri aufgebrochen. Die "Geisterstadt" liegt ca. 44km ausserhalb von Agra und war unter Kaiser Akbar fuer kurze Zeit (1571-1585) die Hauptstadt des Mogulreiches. Da es aber in der Naehe kaum Wasser gab wurde die Festung nach Akbars Tod bald aufgegeben.



Die Festung besteht aus einer riesen Moschee die auch heute noch oeffentlich zugaengig ist und 3 Hauptpalaesten - jeweils einen fuer seine drei Lieblingsfrauen (sehr multikulti: eine war Hindu, eine war Muslimin und eine war Christin). Am schlimmsten waren hier eigentlich die bettelnden Kinder. Entweder sie wollten dir irgendein Souvenir-Mist andrehen oder deine Eintrittskarte abkaufen, um sie spaeter wahrscheinlich wieder weiterzuverkaufen. Wenn wir was zu essen dabei hatten wollten sie es uns regelrecht aus der Hand reissen.
Die Moschee war riesengross, bestehend aus einem grossen Innenhof, Grabraeumen und dem Grabmal von Shaih Salim Chishti (ein Sufi-Heiliger, der Kaiser Akbar die Geburt eines Thronfolgers vorhergesehen hat). Vom Grabmahl war ich sehr enttaeuscht, da es gar nicht mehr um das religioese/heilige ging, sondern nur noch um Profit. (Kinderlose) Frauen konnten sich kleine Baendchen kaufen (bzw. wurden regelrecht dazu bedraengelt), die man dann an den Marmorgitterfenstern um das Grabmahl befestigen konnte.

um ins Grabmahl zu kommen mussten wir unsere Köpfe bedecken
(u.a. mit kleinen Plastik-Wäscheklammer-Körben)


Waschplatz vor dem Grabmahl im Innenhof der Moschee

das können die Inder am besten...
Die restliche Palastanlage aus rotem Sandstein war dann nicht mehr oeffentlich, sodass wir dann weitgehend Ruhe vor den Bettlerkindern und den Foto-machen-wollenden-Indern hatten.




die fliegen hier überall rum :)
Im Hotel wieder angekommen haben wir lecker Papaya und Granataepfel vom Markt gegessen, dazu leckeren Chai-Tee geschluerft.
Viki gings dann leider wieder schlechter, sodass wir den Abend ruhig ausklingen lassen haben.
Gegessen haben wir dann Abends im Hotel, was dann nicht so besonders war, weil alles gleich geschmeckt hat...






1 Kommentar:

  1. Liebe Stephie, ein ganz toller Blog mit schönen Bildern - ich sende Dir ein dickes Kompliment! Ich habe mich gerade mal auf den aktuellen Stand gebracht... Ich wünsche Euch noch ganz viel Spaß und schöne Erfahrungen in Indien - auf ein baldiges Wiedersehen im frühlingshaften DD... LG natürlich auch an meine Viki, Jette

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